Die blinden Flecken der Wirtschaftsförderung

Die blinden Flecken der Wirtschaftsförderung

Offener Leserbrief zum Artikel “Wie geht es weiter in der Innenstadt?” in der HAZ vom 29.05.2021

Der Artikel überrascht, in mehrfacher Hinsicht. Es hat weder eine “Rückbesinnung auf kleinere Geschäfte” stattgefunden noch stimmt die Aussage, dass es keine corona-bedingten Insolvenzen in Wunstorfs Innenstadt gab. Das ist reines Wunschdenken und hat mit der Realität nichts zu tun. Die Bürger sind durch die Lockdowns nun noch online-affiner geworden und haben sich daran gewöhnt, bequem von zu Hause aus zu shoppen. Während die anonyme E-Commerce-Branche gigantische Gewinne einstreicht, verschlafen Wirtschaftsförderung und Werbegemeinschaft diese historische Chance, den lokalen Händlern digitales Rüstzeug z. B. mittels einer gemeinsamen Plattform an die Hand zu geben.

Während die Wunstorfer Wirtschaftsförderung und der Vorstand der Werbegemeinschaft sich in ihren Elfenbeinturm zurückgezogen haben, beziehen Innenstadt-Händler Grundsicherung oder geben ihr Geschäfte auf wie z.B. Hussel, Wunschballon, Matratzen Concord, Wunstorfer Markt, Kaufhaus Emin … weitere stehen kurz vor Ladenschließung. Andernorts reagierten Nachbarkommunen zeitnah mit echten Lösungen wie Spenden- oder Onlineportale und zeigen Präsenz und Solidarität mit den Sorgen und Nöten der Händler und Dienstleister.

Seit 14 Monaten gibt es weder von der Wirtschaftsförderung noch vom Vorstand der  Werbegemeinschaft Wunstorf ein echtes Innenstadtkonzept für Händler, um der durch Corona verstärkten Krise etwas Adäquates entgegenzusetzen. Lieber steckte man den Kopf in den Sand, Geld in die eigene Tasche oder traf sich zum Plaudern in Hinterzimmern, um ein veraltetes Thesenpapier der Öffentlichkeit zu präsentieren, welches nicht viel mehr als Lippenbekenntnisse, Phrasen und vage Andeutungen zu bieten hat.

Da reicht es scheinbar, das ewig gleiche, selbstgefällige Mantra der “Schönsten Innenstadt der Region” zu wiederholen. Aber mündige Bürger und enttäuschte Mitglieder lassen sich nicht unendlich lange Sand in die Augen streuen, um so den Blick auf die Realität zu verlieren.

Als es darum ging, bereits frühzeitig GEMEINSAM ein Online-Portal für Händler aufzubauen, winkte man nur nichtsahnend ab, als eine Onlineabfrage der Innenstadtbesucher erstellt wurde, zuckte man desinteressiert mit den Schultern, Bedenken, dass der “neue” Citiygutschein genauso fälschunganfällig wie der bisherige ist und ein digitales System sinnvoller sei, lächelte man bedenkenlos weg. Ob dieses Nichtagieren und der stoischen Blauäugigkeit stellt man sich unweigerlich die Frage nach dem “Cui bono?”

2560 1707 Mirko Baschetti

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